Rolf Stommelen erlebte ich erstmals beim -auf 750 km verkürzten- 1000 km-Rennen, Nürburgring 1974. Es war das erste von vielen beeindruckenden Rennen, die ich von Rolf sah.

Das Rennen war zugleich mein allererstes Rennen vor Ort überhaupt, und dementsprechend viele faszinierende Eindrücke sammelte ich damals. Ich stand zwischen Wehrseifen und Kallenhard als die Meute, angeführt von einem Matra-Simca, erstmals angeflogen kam.  Dieses akustischen und optische Erlebnis habe ich ich auch nach über 30 Jahren noch nicht vergessen.

Strietzel Stuck im CSL-Coupe fuhr die Dreifach-Rechts vor Wehrseifen mehr auf zwei, denn auf vier Rädern. Der Wagen “klappte” durch die Fliehkraft auf zwei Räder und -nach einer kaum sichtbaren Lenkkorrektur von Stuck- wieder auf vier Räder. Das mehrmals hintereinander - in fast jeder Runde. Weniger spektakulär, aber genauso schnell, dahinter folgte ihm Jochen Mass im Capri.

Rolf Stommelen war im Alfa weit vor den Tourenwagen. Er sah sich von seinem Teamkollegen Merzario attackiert. Merzario attackierte Rolf, als würde dieser einen Matra fahren. Clever wie Rolf damals schon war, ließ er Merzario dann passieren. Es war sich sicher, daß Merzario mit diesem Fahrstil keine 750 km auf der Nordschleife schaffen würde - und behielt recht.

Das Rennen beendeten Stommelen/Reutemann auf Platz 2 - hinter einem der überlegenen Matra-Simca.

Wie alles begann...

1964 bekam Rolf von seinem Vater für bestandene Prüfungen einen Porsche Super 90 geschenkt. So “erfuhr” er den Spaß am Fahren. Sein nächster Wagen war ein Porsche 904 GTS. Der erste Weg mit dem Wagen führte ihn direkt zur Nordschleife. Rolf sah, “daß er es konnte” und war vom Renn-Bazillus erfasst. Nun suchte er den Wettbewerb und meldete sich zu einem Bergrennen in Wolsfeld an. Hinter klingenden Namen wie Udo Schütz und Willi Bartels (beide auf  Porsche Carrera 2000 GS) wurde Rolf auf seinem 904 GTS Dritter!

(Einen dritten Platz belegte Rolf auch beim 1000 km-Rennen von Monza. Auch hier fuhr er einen Porsche (956). Es war das letzte Rennen vor Riverside 1983...)

1966 holte Huschke von Hanstein Stommelen in’s Porsche-Werks-Team.

1967 folgte dann die fantastische Bergrenn-Saison, die Stommelen punktgleich mit Mitter abschloß. Und es gab den Sieg bei der Targa Florio.

1968

Rolf fuhr erfolgreich für Porsche in der MWM und der Europa-Bergmeisterschaft. Bei den 24h von Daytona gelang ihm der erste (von insgesamt vier) Siegen.

Kaum zu glauben: Einer seiner damaligen Gegner fährt heute (2006) immer noch Rennen. “Wie komm ich bloß vom Rennsport loß?” (Anmerkung 13.01.2006: Im Januar 2006 gewann Quester -u.a. zusammen mit Stuck- das 24h-Rennen von Dubai!)

In dieser Saison hatte Rolf dann einen schweren Unfall. Beim Roßfeld-Bergrennen in Berchtesgaden wurde Rolf’s linke Hand schwer verletzt. (Der nach Rolf gestartete Lodovico Scarfiotti verunglückte bei diesem Rennen tödlich.) Es mußten künstliche Gelenke eingesetzt werden. Rolf trainierte eisern um seine Hand wieder gebrauchen zu können. Wann immer er sich unbeobachtet glaubte bearbeitete er mit der linken Hand einen Tennisball. Mit Erfolg: Er konnte seine Hand wieder ohne Einschränkung gebrauchen. Wenige Wochen nach dem Unfall fuhr Rolf, sicher noch gehandicapt, wieder Rennen.

Im Training zu den 24h von Le Mans, welches 1968 im September (!) stattfand, fuhr Rolf im 908 teilweise Zeiten unter 3.40 min. - und war damit schnellster Porsche-Pilot.

Stommelen-Ergebnisse MWM und Europa-Bergmeisterschaft 1968

1969

1969 startete Rolf erstmals in einem F1-Rennen - allerdings in einem F2-Lotus. Beim GP von Deutschland 1969 waren -um das Feld aufzufüllen- Formel 2-Fahrzeuge zugelassen.

In der MWM ging Rolf wieder für Porsche an den Start. Aber es zeichnete sich bereits ab, daß Rolf das Werk verlassen würde. Immer öfter gab es Anzeichen die darauf hindeuteten, daß die deutschen Piloten im Porsche-Team benachteiligt wurden.

1969: 350 km/h im 917 in Le Mans

1969 brachte Porsche erstmals den 917 nach Le Mans. Dieses bärenstarke, schwer zu beherrschende Auto flösste den Fahrern jede Menge Respekt ein. Rolf experimentierte im Training mit der Fahrwerkseinstellung und der Einstellung der Heckklappen.

Der Porsche-Computer errechnete für den 917 eine Rundenzeit von 3.25,76 min. Rolf jedoch brannte eine 3.22.9 min. auf den Zeitenmonitor und stellte damit -trotz der neuen Ford-Schikane, die die Rundenzeit um ca. 10 sec. verschlechterte- mit 238,970 km/h einen neuen Rekord auf. Zweitschnellster Mann war Vic Elford (Porsche 917) mit 3.28.3 min - immerhin 5,4 sec. langsamer als Rolf.

Erstmals fuhr dabei ein Wagen in Le Mans einen Top-Speed von 350 km/h. Rolf beschrieb das so: “Es wurde plötzlich ganz unheimlich still im Cockpit. Auf der Geraden kletterte der Drehzahlmesser im 5. Gang auf 8200 Touren...”

Link zum Thema

Der absolut schnellste Mann in Le Mans 1969: Rolf Stommelen