Norisring 1983 - “Geldrennen”

 

“C-Day” am Norisring

Nachdem im Vorjahr nur ein Porsche 956 am Start war, traten 1983 gleich neun der überlegenen Gruppe-C-Porsche zum Rennen an der Noris an. Dazu gesellten sich diverse weitere Gruppe-C-Wagen wie etwa die Ford C100 des Zakspeed-Rennstalls und ein einzelner Werks-Lancia LC2. Diverse Porsche 908, 936, und Super-Capri der Gruppe 5 und 6 vervollständigten das -wie an der Noris üblich- starke Feld an Wagen und Fahrern.

Um zu verhindern, daß das Rennen in ein Spritsparwettberwerb ausuferte, wurde die Distanz auf 124,2 km gekürzt. Freies Fahren war also angesagt.

Das Porsche-Werk, das im DRM-Rennen nicht antrat, brachte mit Bellof und Mass seine schnellsten Werks-Fahrer an die Noris. Jochen Mass hatte das Rennen im Vorjahr gewonnen und einen gewissen Erfahrungsvorteil mit dem 956 in Nürnberg. Dafür trat Bob Wollek, im Jöst-956, gehandicapt an: Vier Wochen vor dem Rennen mußte sich Wollek einer Bandscheibenoperation unterziehen, und Bob litt immer noch unter Rückenschmerzen.

 

Training

Die “Boxenanlage” am Norisring ist mit Boxenanlagen permanenter Rennstrecken natürlich nicht zu vergleichen. Im Prinzip handelt es sich um einen schmalen Parkplatz. Dafür sind die Sichtverhältnisse für die motorsportbegeisterten Fans besonders gut. 

U. a. zu sehen: John Fitzpatrick, Stefan Bellof, Norbert Singer und Peter Falk

Der Trainingsrekord stand bei 0:49,67 min - gefahren mit einem Uralt-Porsche 908!!! John Paul jr. schaffte im Rennen des Vorjahres diese Sensation - gegen den Werks-Porsche 956 von Jochen Mass, der am Norisring 1982 seine Deutschlandpremiere hatte.

Den absoluten Rundenrekord (Rennen) hielt mit einer 0:49,82 min Rolf Stommelen, der diese Fabelzeit 1979 im Porsche 935 in den Asphalt brannte. Rolf konnte seinen Rekord nicht verteidigen, da er wenige Monate vorher in Riverside tödlich verunglückt war.

Eigentlich war klar, dass die Rekorde in Gefahr waren. Ein 83er Gruppe-C-Rennwagen ist nun mal erheblich schneller als ein Porsche 908, oder 935. Trotzdem blieb z. B. selbst der amtierende Formel 1 - Weltmeister, Keke Rosberg, mit seinem Porsche 956 über der Zeit des Porsche 908.

Die Werks-956 hatten gegenüber den Kunden-956 gewisse Vorteile: Die Vorderachsen waren modifiziert, wodurch sich die Wagen weicher abstimmen ließen. Für den welligen Norisring eine wichtige Änderung. Außerdem wurde die Übersetzung des 3. Ganges zwischen den Trainingssitzungen verändert. Die Wagen von Jochen Mass und Stefan Bellof waren identisch.

Niedzwiedz (in einer Aufwärmrunde), lässt den Canon-Porsche vorbei

Heyer überholt Fitzpatrick, der sich auch in einer Aufwärmrunde befindet

Um es kurz zu machen: Stefan Bellof pulverisierte den Rekordrund von John Paul jr. um satte 2 Sekunden. Teamkollege Jochen Mass bekam 9/10 Sekunden verpasst. 0:47,60 min lautete die neue Rekordzeit im Training. Immerhin sechs Wagen lagen dann am Ende des Trainings unter der Zeit des Porsche 908.

Alle neun Porsche 956 landeten in den TopTen. Lediglich der einzige Lancia (mit Hans Heyer) konnte mit Platz 4 in die Porsche-Phalanx einbrechen.

Zeitungsbericht vom Training

Stefan Bellof hatte gezeigt, was die Fans am Sonntag erwarten durften. Und er sollte seine Fans nicht enttäuschen...

 

Rennen

Hitzeschlacht an der Noris

In der Einführungsrunde werden einige Fahrer dumm geschaut haben: Klaus Niedzwiedz fuhr ganz nach vorn, ließ sich dann aber wieder auf seinen Startplatz zurückfallen. Den Grund dafür erfuhr ich von Klaus Niedzwiedz dann später: Ein befreundeter Fotograf hätte gern ein Bild gehabt, auf dem der C100 vor den Gegnern fuhr. Also legte sich der Fotograf auf die Lauer, und Niedz fuhr an der betreffenden Stelle nach vorn. Der gute Mann bekam sein Bild, und Niedz ließ sich wieder zurück fallen.

Alle erwarteten, daß sich Stefan Bellof direkt absetzen würde. Doch Jochen Mass gelang es Stefan die Führung abzunehmen. Ein paar Runden später machte Jochen einen Fehler und Stefan war wieder vorbei. Und nun setzte sich Stefan wie erwartet mit Rekordrunden ab und fuhr sein eigenes Rennen. Jochen konnte nicht folgen. Er hatte vor dem Rennen die Bremskraftverteilung geändert, was sich im Nachhinein als Fehler erwies.

Jochen Mass: Konnte Stefan kurzfristig überrumpeln

Aber auch Stefan bekam Probleme: Etwa ab Mitte dieses Hitze-Rennens brannte die Warnlampe für die Wassertemperatur, was ihn aber nicht langsamer machte. Problematischer waren da schon die Vibrationen des Werks-956. Nach dem Rennen waren die Hände von Stefan von schmerzenden Blasen übersät.

Unnötig zu erwähnen, daß Stefan auch die Rekordrunde von Rolf Stommelen knackte.

Volkert Merl - 8. im Training, Ausfall im Geldrennen

Volkert Merl kam nur eine Runde weit: Ein undichter Tank sorgte dafür, daß Merl im Benzin saß. Der Selbsterhaltungstrieb ließ Merl sofort die Boxen anlaufen.

Klaus Ludwig in einer ungewohnten Statistenrolle

Im DRM-Rennen kämpfte Ludwig noch um den Sieg, bevor ihm der Sprit ausging und er den taktisch klüger agierenden -und glücklicheren- Franz Konrad den Sieg abtreten musste. Im “Geldrennen” hingegen spielte Klaus Ludwig absolut keine Rolle.

Porsche 936C

Porsche 908 (Jochen Dauer) und Porsche CK5 (Frank Jelinski)

Der Lancia LC2 von Hans Heyer verabschiedete sich mit einer gebrochenen Antriebswelle, während Harald Grohs und Jan Lammers ihre 956 mit Motorschäden  abstellen mussten. John Fitzpatrick stellte seinen 956 mit überhitztem Triebwerk ab. Die 956 von Wollek und Hobbs hielten. Dabei kam Wollek als Dritter vor Hobbs ins Ziel.

Anfahrt zur Dutzendteich-Kurve

Stefan gewinnt das Rennen locker vor Jochen Mass und zertrümmert dabei alle bestehenden Rekorde. Und während den Gegner nach diesem Hitzerennen die Erschöpfung anzusehen ist, macht Stefan einen absolut frischen Eindruck.

Dazu Rainer Braun in seinem Buch über Stefan Bellof: “Spätestens hier wird klar, dass Stefan Bellof das schnellste menschliche Wesen ist, dass jemals in einem Porsche 956 gesessen hat.

SPORT AUTO: “Bellof kam, sah und siegte”