Stefan Bellof

Stefan Bellof fiel mir erstmals im alten Fahrerlager des N├╝rburgrings auf. Ich besuchte das Super-Sprint-Rennen auf der  Beton - Schleife und  "streunte"  durch das  Fahrerlager (1980 war das,  auch  ohne  Beziehungen,  noch kein Problem). Damals ahnte ich noch nicht wer der Mann, der im Gefolge von Georg Loos durchs Fahrerlager flanierte, war - und werden sollte.

Im September 1980 war Stefan  halt  noch  recht unbekannt. Bekannter  war damals eher der Bruder von Stefan, Georg. Dieser fuhr erfolgreich in diversen Formel-Klassen. Stefan selbst meinte mal, da├č Georg noch schneller als er gewesen w├Ąre.

Kaum vorstellbar...

Georg Bellof gab den Motorsport sp├Ąter auf.

Den ersten gro├čen Auftritt von Stefan erlebte ich ein Jahr sp├Ąter an selber Stelle. Im letzten Rennen zur Formel 3- Meisterschaft ging es um den Titel. Obwohl Stefan an den ersten zwei Rennen nicht teilnahm, lag er vor dem letzten Rennen mit 124 Punkten vorn . In der ersten Kurve jedoch wurde er von (Name gerade entfallen) in F├╝hrung liegend abgeschossen. Stefan fuhr mit  zerfleddertem Auto  weiter bis er mit der schwarzen Flagge zur Reparatur aus dem Rennen geholt wurde. Nach der notd├╝rftigen Reparatur nahm er das Rennen wieder auf und wurde prompt nochmals von (Name gerade entfallen) gerammt.

Nach dem Rennen wurden Ger├╝chte laut, wonach der betreffende Fahrer daf├╝r von (Name gerade entfallen) bezahlt wurde, Stefan abzuschiessen. Dieser Verdacht wurde dadurch erh├Ąrtet, da├č auch der Teamkollege von Stefan, im identischen Auto unterwegs, von (Name gerade entfallen) arg auf's Korn genommen wurde. Eventuell glaubte er, er h├Ątte Stefan beim ersten Abschuss nicht richtig erwischt. 

1982 fuhr Stefan dann Formel 2. Den Titel des deutschen Formel 3 - Meisters hatte er nicht n├Âtig um aufzusteigen. Es reichte ihn fahren zu sehen...

In der  Formel 2  schlug  Stefan ein  wie eine Bombe. Er gewann als Neuling gleich das erste Rennen. Die Art und Weise  wie locker er den Sieg  rausfuhr  lie├č  Gro├čes erwarten.  In  dem Rennen fand Bellof noch Zeit dem ausge- fallenen Danner, der sich auf dem R├╝ckmarsch zur Box befand, bei jeder Vorbeifahrt freundlich zuzuwinken...

Auch das zweite Formel 2 - Rennen auf dem Hockenheimring gewann Stefan. Dann begann eine Pechstr├Ąhne. 

Beim Eifelrennen auf der Nordschleife lag Bellof in der zweiten Runde bereits auf Platz 2 und heizte Boutsen kr├Ąftig ein. Es war  nur eine Frage  der Zeit bis  Bellof  in  F├╝hrung gehen w├╝rde. Dann jedoch mu├čte Stefan mit einem schleichenden  Plattfu├č  an die Box. Der  Reifenwechsel dauerte  damals eineinhalb Minuten.  Wer jedoch glaubte Bellof  w├╝rde jetzt  aufgeben, kannte Bellof nicht. Trotz eines gigantischen R├╝ckstandes  gelang  es ihm noch mit Platz  5 in die Punkte zu fahren. Nebenbei sprang dabei mit 7.06,51 min. ein absoluter F2-Rundenrekord raus. Nur 1/10 sec. langsamer als der absolute F1-Rekord von Regazzoni (Ferrari)...

Beim F2-Rennen in Spa verungl├╝ckte Stefan in der Eau Rouge schwer. Damals noch ohne Folgen.

1983 fuhr Stefan dann neben der Formel 2 einen Werks-Porsche in der Gruppe C.

Erstes Gruppe-C-Rennen,  Silverstone 1983:  Die bisherigen Porsche - Stars  Mass, Bell und Ickx versuchten eine schnelle Trainingsrunde zu erzielen. Dabei war urspr├╝nglich geplant, da├č Bell -als Engl├Ąnder- die Pole in Silverstone holen sollte. Derek war jedoch nicht schnell genug.

Aber auch Jochen Mass und Ickx schafften es nicht den Werks-Porsche auf die Pole zu stellen. Mass/Ickx kamen auf eine beste Zeit von 1:15,30 min. Bob Wollek aber fuhr mit dem Kunden-956 eine 1:15,10 min.

Man war ratlos bei Porsche - was selten genug vorkam.

Dann durfte Stefan ran - schlie├člich mu├čte er sich f├╝r das Rennen qualifizieren. Niemand bei Porsche dachte daran, da├č der Gruppe-C -Neuling eine Chance h├Ątte die Pole zu holen. Stefan sollte sich nur qualifizieren, damit er mit Derek zusammen starten konnte, mehr nicht.

Die Porsche - Leute staunten nicht schlecht, als Bellof mit den alten Rennreifen Zeiten fuhr, die  Jochen Mass, Jacky Ickx und Derek Bell nur mit weichen Qualifiers erreichten. Also w├╝rfelte man Stefan aus alten Reifen, mit denen Ickx und Mass vergeblich versucht hatten auf die Pole zu fahren, einen Satz zusammen und schickte ihn auf die Strecke.

Ergebnis:  Stefan Bellof pulverisierte die Ickx-Zeit um  ├╝ber 2 Sekunden und stellte den Werks-Porsche 956 mit einer 1:13,15 min locker auf die Pole-Position!

Das wahre Potential des Porsche 956 wurde erst durch Stefan Bellof aufgezeigt!

Im Rennen wiederholte er die Leistung, die er ein Jahr vorher an selber Stelle mit dem F2 erbrachte. Stefan gewann sein  erstes Gruppe-C-Rennen. Dies, obwohl er mit Derek Bell (ein gro├čartiger Mensch  und Fahrer, aber halt nicht mehr sehr schnell) den langsamsten Fahrer im Team als Teamkollegen hatte.

Nebenbei:  Derek Bell sagte sp├Ąter einmal  sinngem├Ą├č:  Alte Menschen haben Kr├╝cken um Laufen zu k├Ânnen, ich habe Stefan um immer noch Rennen gewinnen zu k├Ânnen.

Die  folgenden 83er-Rennen  im  Werks-Porsche gerieten zur Stefan-Bellof-Show. Speziell Ickx hatte unter der Dominanz von Stefan zu leiden. Gegen den Speed von Bellof wirkte Ickx wie ein besserer Herrenfahrer.

Beim Training zum  1000-km-Rennen auf der Nordschleife durchbrach Bellof als erster und einziger Fahrer die 200-km/h-Schallmauer Zudem ├╝berholte Stefan in einem alten 82er-Werks-956, in dem  eine  (damals noch schwere) Kamera eingebaut  war, seinen Teamkollegen Ickx im aktuellen 83er Werks-Porsche 956.  Auch der amtierende F1-Weltmeister, Keke Rosberg, wurde von Stefan kurz hinter dem Adenauer Forst mit dem alten Kamera-Wagen locker ├╝berholt.

Dazu Peter Wyss in der damaligen MSa: 6:11,13 - den Zuschauern stockte der Atem, die Streckensprecher ├╝berschlugen sich am Mikrofon, und die Zeitmessung kontrollierte die Uhren. Stefan Bellof hatte im Abschlusstraining als erster Fahrer die 200-km/h-Schallmauer auf der Nordschleife durchbrochen. Ein Schnitt, besser als Niki Lauda seinerzeit mit dem Ferrari Formel 1. Da wurde es allen trotz der f├╝r diese Jahreszeit sogar in der Eifel ungewohnt bissigen K├Ąlte richtig warm ums Herz.

Was man nach Stefans Fabelzeit in Silverstone schon vermutet hatte, traf also prompt ein. Der Giessener Sunnyboy im Porsche-Herrenteam deckte das wahre Potential dieses Superrenners aus Zuffenhausen auf. ┬źIch sagte dir ja, dass eine Zeit zwischen 6:10 und 6:15 drin liegt, aber du hast mir ja nicht geglaubt┬╗, belehrte mich Bellof eines besseren. ┬źAber ich muss ehrlich zugeben: viel schneller geht es nun wirklich nicht. Zweimal ist mir in dieser Runde das Bremspedal durchgefallen, ich musste vor den Ecken pumpen, das war bei dieser Geschwindigkeit etwas unangenehm. Daf├╝r hatte ich praktisch eine freie Strecke und wurde nie wirklich behindert. Komischerweise drehte ich diese Runde gar nicht mit meinen richtigen Qualifikationsreifen. Denn die habe ich vorher aufgebraucht, als mir in einer Runde drei Konkurrenten im Wege standen. Danach ging Bell mit seinen Qualifiers auf Zeitenjagd, in der Zwischenzeit hatte man f├╝r mich nochmals einen Satz aus Ickx' und meinen ├╝briggebliebenen Reifen zusammengew├╝rfelt. ┬╗

Im Rennen musste Jochen Mass den Startturn gegen Stefan fahren. Jochen, der im Sister - Car deutlich schneller als  Ickx  war (6.16 min. im Training) schlug sich tapfer, mu├čte sich trotzdem um 10 Sekunden pro Runde von Stefan deklassieren lassen.

Die  Tempo-Demonstration von Stefan war n├Âtig, da zu erwarten war, da├č Ickx nach dem Boxenstop Stefans Team - kollegen,  Derek Bell,  viel  Zeit  abnehmen w├╝rde. Bellof ├╝bergab  den Werks-Porsche mit der Startnummer 2 mit riesigem Vorsprung an Derek. Wie  sich  herausstellte,  war Ickx nicht  schnell genug um den Bellof -Vorsprung zu egalisieren. Derek Bell ├╝bergab  den Wagen  immer noch mit Vorsprung wieder an Stefan. Dieser baute den Vor- sprung sofort wieder mit Rekord - Runden weiter aus.

Im Pflanzgarten bekam  der Wagen von Stefan dann Unterluft. Ein Horrorabflug, jenseits der 200 km/h-Grenze, mit etlichen ├ťberschl├Ągen war die Folge. Stefan stellte fest, da├č der Funk noch funktionierte, teilte der Box mit, da├č er den Wagen abgelegt hatte, stieg aus und schrieb Autogramme...   (Letzteres ist durch Fotos belegt.)

Sp├Ąter kommentierte Stefan den  Unfall  ├╝ber  Streckenfunk, das  h├Ârte sich dann so an: ÔÇť... pl├Âtzlich  wurde die Lenkung ganz leicht, dann ging die Post ab ...ÔÇŁ.

Das  Rennen in Spa  bekam  durch eine merkw├╝rdige  Aktion  der Porsche - Box  einen fahlen Beigeschmack: Bellof/Bell  lagen kurz vor  Rennende  uneinholbar in F├╝hrung, als  Bell  zur ├ťberpr├╝fung eines Rades an die Box beordert wurde. Dadurch ging der Sieg an Ickx/Mass. Hintergrund: Ickx k├Ąmpfte gegen Bob Wollek um den Titel des Fahrer-Weltmeisters in der Langstrecken-WM.  Und der Privatfahrer Wollek lag vor dem Rennen in Spa mit 56 WM-Punkte 6 Punkte vor dem Werks-Fahrer Ickx. Und nach Spa gab es nur noch zwei Rennen. Dadurch, da├č Bellof/Bell ihren Sieg an Ickx/Mass herschenken mu├čten, bekam Ickx 5 WM-Punkte mehr... 

In der  F2  lief  nicht mehr viel. Trotzdem  stieg Stefan in die Formel 1 auf. Wie gehabt, es gen├╝gte Stefan fahren zu sehen...

Beim F2 - Rennen  auf der  Nordschleife  kam Stefan mit  einem unglaublichen  Vorsprung aus der ersten Runde , musste jedoch mit  einem angerissenen Gaszug an die  Box.  Die erste  Runde des  Rennens wurde von einem Hubschrauber (mit Kamera) verfolgt.  Der Hubschrauber lieferte faszinierende Bilder einer Bellof-Tempo -Demon- stration.  Fahrer  wie Boutsen, Nannini, Fert├ę, Tassin,  Thackwell,  Palmer, Danner und Co. wurden von Stefan zu Statisten degradiert.

Beim Jim - Clark - Rennen auf  dem Hockenheimring mu├čte Bellof zuschauen, da Motorenlieferant Heidegger die Triebwerke aus  den Maurer - Autos ausbauen lie├č. Angeblich  war das  Team bei Heidegger mit 100.000 SF im R├╝ckstand.

Ende 1983 standen  dann  McLaren-Testfahrten an.  Mit von der Partie: Ayrton Senna (damals noch als Senna da Silva bekannt).  Stefan machte einen  sehr  guten Eindruck,  was  die Rallye Racing zu einem  Bericht mit  der ├ťberschrift ÔÇťBellofs starker EinstiegÔÇŁ bewegte.

1984 fuhr Stefan in der Formel 1, der Langstrecken-WM und der DRM.

Am Ende des  Jahres  war Stefan der  erste deutsche Weltmeister auf der Rundstrecke. Er wurde Langstrecken - Weltmeister, Fahrer-Europameister und Deutscher Rennsport-Meister.

Beim 1000km-Rennen  auf dem  Eifelring (den GP-Kurs ÔÇťN├╝rburgringÔÇŁ  zu  nennen  ist eine Beleidigung f├╝r die Nordschleife)  siegten Bellof/Bell. Auch am Start  war ein  gewisser Ayrton Senna. Senna belegte im Rennen, mit schnellen Teamkollegen und auch auf einem Porsche 956, den achten Platz.

In der F1 gelangen Stefan, mit unterlegenem (Sauger-) Triebwerk einige Achtungserfolge. Unvergessen der GP von Monaco: Vom letzten Startplatz aus pfl├╝gte Stefan im str├Âmenden Regen durch das Feld, als ob die anderen Fahrer parken w├╝rden.  Gerade Monaco,  wo ├ťberholen schon unter normalen Umst├Ąnden als kaum m├Âglich, im Regen gar als  unm├Âglich galt, lie├č Stefan die Weltelite  der F1 alt aussehen. Allein in der ersten Runde ├╝berholte Stefan vier Wagen.

Rene Arnoux im Ferrari,  nicht unbedingt  derjenige,  der als leicht zu ├╝berholen galt,  lernte  Stefan in der Mirabeau kennen: Arnoux sah Bellof im R├╝ckspiegel kommen und machte dicht. Jedoch zu sp├Ąt. Bellof hielt dagegen und war - nach leichtem - Kontakt vorbei. Dazu Stefan sp├Ąter ÔÇť...Ich l├Âste mich aus seinem Windschatten , setzte mich vor der Rechtskurve neben Arnoux,  als dieser zumachte. Er zog seinen Ferrari nach rechts, so da├č ich auf den schmalen Streifen neben der Strecke ausweichen mu├čte. Doch er zog noch einmal nach und da dachte ich schon: Jetzt gehtÔÇÖs schief, weil da kein Platz zum Ausweichen war! Er hat  mich  genau gesehen, sein Kopf schwenkte zu mir her├╝ber, und trotzdem zog er nach rechts. Ich hielt als letzte Rettung gegen, lenkte meinen Tyrrell einmal kurz nach links, und da gab er endlich nach. Ich war  vorbei und  bis das Rennen abgebrochen wurde, weit vor Arnoux. WieÔÇÖs dann ohne Abbruch weitergegangen w├Ąre, w├╝├čte ich gern...ÔÇŁ

[Herzlichen Dank f├╝r die Bildfreigabe an J├╝rgen Rauh]

Der  Rennabbruch ist eine Geschichte f├╝r sich. Man munkelte, Ickx wollte  seinem  Freund  Prost, der das Rennen noch anf├╝hrte, aber unter  extremen Druck von Ayrton Senna stand und zudem technische Probleme hatte, helfen und brach das Rennen ab solange Prost noch f├╝hrte. Direkt nach dem Abbruch wurde  Prost von Senna ├╝berholt. Schnellster Fahrer zu diesem Zeitpunkt: Stefan Bellof. Bellof machte, inzwischen auf Platz 3, mit Riesenschritten Boden auf Senna und Prost gut:

Rundenzeitvergleich der letzten vier Runden:

Ickx wurde  nach  dem Rennen die  Rennleiter-Lizenz f├╝r ein Jahr entzogen. Auch die FiA war der Ansicht, da├č der Abbruch des Rennens unbegr├╝ndet war. Einige Journalisten monierten, da├č ein aktueller Porsche-Werksfahrer (Ickx fuhr f├╝r Porsche in der Langstrecken-WM) einen Porsche-befeuerten F1-Fahrer zum Sieg verhalf.  Es bestand zudem die Gefahr, da├č der GP, wegen der reglementswidrigen Eigenm├Ąchtigkeit des Herrn Ickx komplett aus der WM-Wertung gestrichen wurde.

F├╝r Senna und Bellof ein schwacher Trost...

Nebenbei:  W├Ąre  der GP nicht  von Ickx abgebrochen worden und Prost h├Ątte Platz 2 gegen Bellof halten k├Ânnen, h├Ątte Prost, statt 4,5 Punkte  f├╝r den  Abbruch-Sieg, 6 Punkte  bekommen  und w├Ąre damit  der F1-Weltmeister 1984 geworden.

Aber h├Ątte, w├Ąre, wenn...

Der dritte Platz wurde Bellof sp├Ąter genommen, da Tyrrell wegen der sog. Bleikugelaff├Ąre disqualifiziert wurde. Jedem aufmerksamen Beobachter der Szene war jedoch klar, da├č Tyrrell damals aus politischen Gr├╝nden ├╝ber die Klinge springen musste.

Die Rallye Racing nannte Ro├č und Reiter. Tyrrell nutzte das jedoch nichts mehr.

1985 fuhr Stefan weiter f├╝r Tyrrell in der F1 und f├╝r das Brun-Team in der Endurance-WM

Beim 1000km-Rennen  auf dem  Hockenheimring  lagen Bellof/Boutsen im Brun - Porsche - gegen die Werks- Porsche 962 und  die Werks-Lancia LC2 - bis zur 99. (von 147) Runden zeitweise mit ├╝ber einer Minute Vorsprung in F├╝hrung, als der Porsche 956 pl├Âtzlich ausfiel.

Nach dem Rennen stellte man fest, da├č sich im Reservetank vier Liter Wasser befanden.

Dieser Reservetank  hat den  Zweck sicherzustellen, da├č  ein Wagen nicht mit Spritmangel ausf├Ąllt und die Box in jedem Fall noch erreicht. Da Bellof den  ersten  Tankstop  recht fr├╝h einlegte (um der Hektik in der Boxengasse zu entgehen wenn alle zum Tanken kommen), wurde  dieser  Resevetank erst im vierten Turn (Stefan fuhr Turn 1, 2 und 4) ben├Âtigt.  Als Stefan den  Knopf f├╝r  die Reserve-Pumpe dr├╝ckte, starb das Triebwerk sofort ab. Somit war der Weg frei f├╝r den Werks-Porsche von Bell/Stuck.

Anzumerken ist  noch, da├č  bei diesem Rennen ein Werks-Porsche, ein Kremer-Porsche und der March -Porsche von Danner/Los  bei den  Boxenstops  Feuer fingen. In der Werks-Porsche-Box gab es eine regelrechte Explosion. Ein Mechaniker erlitt schwere Verbrennungen.

In Spa  kam es dann zur Katastrophe. Bellof und Boutsen fuhren einen 956 f├╝r das Brun-Team. Sie allein waren in der Lage die Werks-Porsche von Mass/Ickx und Stuck/Bell zu schlagen.

(BTW:  Stuck  kam f├╝r Bellof inÔÇÖs Team. Seine Karriere war fast schon beendet. BellofÔÇÖs Weggang  vom Porsche - Werk rettete seine Karriere.)

Die  entscheidende Szene: Boxenstop  der beiden schnellsten Wagen. Ickx kommt ca. 5 Sekunden vor Bellof aus der Box. Innerhalb  k├╝rzester Zeit hatte  der schnellere Bellof den R├╝ckstand jedoch wettgemacht und lief auf Ickx auf.  (Ich war zu der Zeit im Turm des Rennleiters und erlebte die letzten drei Runden - und den Unfall - live mit.)  Ickx blockte Bellof mit  allen (!) Mitteln ab. In der besagten Runde machte Ickx dann auf dem Weg von der La Source zur Eau Rouge einen  Schlenker nach rechts.  Eine klare Aufforderung zum ├ťberholen! Bellof war bereits vollst├Ąndig (!) neben Ickx - und,  bezogen auf  die Eau Rouge,  innen ! - als dieser Bellof schnitt  und nach links in die Eau Rouge zog. [Durch die  Inboard - Kamera des  Ickx-Porsche sind mehrere Streckenposten zu erkennen die ÔÇťwie wildÔÇŁ blaue Flaggen schwenken.  Ickx - und  das ist  deutlich  zu  erkennen - h├Ąlt es trotzdem nicht mal  f├╝r n├Âtig  in  den R├╝ckspiegel zu sehen! Dazu ist anzumerken, da├č geschwenkte blaue Flaggen den Fahrern fr├╝her -im Gegensatz zu heute- anzeigten, da├č der schnellere Hintermann im Begriff war zu ├╝berholen - w├Ąhrend geschwenkte blaue Flagge heute anzeigen, da├č man den Hintermann ├╝berholen lassen soll. Ickx wurde also von drei Streckenposten eindeutig signalisiert, da├č Bellof im Begriff war ihn zu ├╝berholen!]

Bellof versuchte  noch  eine  Vollbremsung, aber er konnte den  Kontakt mit dem Werks-Porsche nicht mehr ver - hindern. (H├Ątte er seine  Linie durchgezogen,  h├Ątte es wohl Ickx  erwischt. So  ÔÇťstupsteÔÇŁ er Ickx in den rettenden 180 - Grad Dreher.)  W├Ąhrend Ickx Gl├╝ck hatte und im g├╝nstigen Winkel (r├╝ckw├Ąrts) in die Planke schlug, fuhr Bellof, nach  einem 360 Grad - Dreher,  frontal in die Planken. Etwa 30 cm hinter den Planken befand sich der Betonsockel einer Trib├╝ne. Stefan hatte keine Chance...

Jochen Mass sah  den Unfall und begab sich sofort zur Unfallstelle.  W├Ąhrend der  Unfallverursacher  Ickx  die Unfallstelle nach einiger Zeit - ├╝ber Nacken - schmerzen klagend - verlie├č,  k├Ąmpfte Mass um das Leben von Stefan.  Mass  nahm  den inkompetent wirkenden Streckenposten das  Werkzeug  aus der Hand und arbeitete selbst an der Befreiung von Stefan. Erst als Stefan im Krankenwagen lag war seine Arbeit beendet.

Nach dem Unfall kamen von Ickx und Stuck einige dumme Spr├╝che:  Ickx meinte z. B.: ÔÇťStefan h├Ątte 50 Meter weiter problemlos ├╝berholen k├Ânnen da mein Sprit knapp wurdeÔÇŁ. Seltsam, da

        1. Bellof und Ickx die selbe Rundenzahl nach dem Stop hatten und

        2. Ickx Bellof vorher mit allen Mitteln abblockte und

        3. Ickx demonstrativ einen Schlenker nach rechts machte.

Stuck meinte:  ÔÇťAn dieser  Stelle  ├╝berholt  man einfach nicht, das  mu├č ich um des Sports  Willen sagenÔÇŁ.  Gerade deswegen h├Ątte er besser geschwiegen. Stuck selbst ├╝berholte an dieser Stelle einige C2 - und er hatte den Unfall gar nicht gesehen.

Nachtrag 2012: Bei den Belgien - Grand Prix von 2011 und 2012 gab es an der  Stelle, an der Bellof Ickx ├╝berholen  wollte, zwei absolut identische ├ťberholman├Âver die gezeigt haben wie das ├ťberholman├Âver gegen Ickx ausgegangen w├Ąre,  wenn Ickx wie ein Profi reagiert h├Ątte. Webber ├╝berholte 2011 Alonso und R├Ąikk├Ânen 2012 Schumacher genau an der Stelle, an der Bellof Ickx ├╝berholen wollte. Diese beiden ├ťberholman├Âver waren exakte Kopien des Bellof  - ├ťberholman├Âvers gegen Ickx. Aber mit Alonso und Schumacher sa├čen  verantwortungsvolle Weltklassefahrer in den Wagen, die ├╝berholt wurden. Beide lupften kurz und nichts passierte. Ausser, dass die Fachleute von phantastischen ├ťberholman├Âvern sprachen.

Dieses phantastische Man├Âver h├Ątte es schon 1985 gegeben.

Die  Fachzeitschrift Auto-Zeitung ermittelte, da├č der englische Amateurfilmer John Nichols den Unfall im gesamten Ablauf festgehalten hatte. Der Film lag (liegt ?) bei Porsche unter Verschlu├č. Porsche - Rennleiter Peter Falk erteilte der  AZ  die Erlaubnis  den Film,  der,  Zitat AZ,   ÔÇťBellof von der Schuld am Unfall freisprichtÔÇŁ,  zu sehen.   SA: ÔÇťDas Video - Dokument zeigt  einwandfrei,  da├č Bellof  eingangs  der Zielgeraden schr├Ąg versetzt unmittelbar hinter dem Porsche von Ickx lag. Etwa dort, wo die Fahrer in den f├╝nften Gang schalten, zog Ickx entgegen seiner Fahrweise in den vorherigen Runden abrupt nach rechts - ein Man├Âver,  da├č praktisch eine Einladung zum ├ťberholen darstellt. Kurz darauf war Bellof bereits gleichauf mit Ickx und f├╝r den anschlie├čenden Linksknick auf der InnenbahnÔÇŁ.

Dazu der langj├Ąhrige Braunschweiger Motorsport-Journalist Eckhard Schimpf: ÔÇťH├Ątte Bellof in dieser Situation nicht versucht zu ├╝berholen - er w├Ąre  sein Geld nicht wert gewesen. [...] Ickx hat Bellof in eine Falle gelockt. Er wollte ihn l├Ącherlich machen, ihm zeigen wer der Herr im Haus ist.ÔÇŁ 

AZ: ÔÇŁHausherr  ist Ickx tats├Ąchlich in Spa, nicht nur im ├╝bertragenen Sinn: Er fungiert nebenbei auch als Direktor der Rennstrecke  von Spa - und  so  ist vielleicht auch verst├Ąndlich,  warum die  Untersuchung  des Unfalls  durch den lokalen  Staatsanwalt  schon beendet war, als sie kaum begonnen hatten. [...] Nicht einmal die Motorsport- Gerichts- barkeit, ansonsten  stets hyperaktiv,  nahm sich des Un-Falls an. Wer sich in einem Markenpokal-Rennen mit uner- laubten Manipulationen technische Vorteile verschafft,  wird  leicht f├╝r ein Jahr gesperrt. Wer aber bei einem WM- Lauf Flaggensignale mi├čachtet und damit fatale Folgen in Kauf nimmt, kommt nicht einmal vor den Kadi.ÔÇŁ

Stefan ist tot. In unserer Erinnerung, und in unseren Herzen aber lebt er weiter...